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Hi!

…und willkommen bei Bklynbabe. Ich bin mit 42 Mama geworden und im Sommer 2018 mit Mann und 6 Monate altem Baby nach New York gezogen. Jede Menge Abenteuer inbegriffen…

I love deutsche Spiessigkeit

I love deutsche Spiessigkeit

Sonntags bringt man keine Flaschen weg, Besuche und Anrufe zwischen 12:00 und 15:00 - auch bekannt als Mittagsruhe - gehören sich nicht und Lärm in dieser Zeit sowie nach 20:00 genauso wenig. Versprechen hält man, Geliehenes gibt man unter allen Umständen zurück, bevor der Verleiher danach fragen muss und Pünktlichkeit ist eine Sache des Respekts.

Gott, wie ich diese Sprüche meiner Eltern als Teenager gehasst habe. Sie waren für mich der Inbegriff der Spießigkeit. Und heute, mit 43, in den USA, weit entfernt von der Heimat, sehne ich mich so sehr danach zurück. Wenn die Nachbarn genau dann wieder mit der Kreissäge anfangen, wenn ich Matilda um 13:00 Uhr gerade zum Schlafen überreden konnte, denke ich sehnsüchtig an die heilige Mittagsruhe zurück. Wenn die Nachbarn auf der anderen Seite Sonntag nachmittag in voller Lautstärke ihre Gospelchöre hören, auch. Und wenn mir eine Tür vor dem Kinderwagen zugeschlagen wird, erinnere ich mich daran, wie meine eigene Mutter mir eingetrichtert hat, immer hinter sich zu schauen, wenn man durch eine Tür geht. So vieles, was sich eben „gehört“, was man macht oder eben gerade nicht macht. So viele ungeschriebene Gesetze, die mir als Teenager vorkamen, wie ein viel zu enges Korsett. 

Heute erkenne ich, dass die verhasste Spiessigkeit nichts anderes ist als ein Geflecht von Regeln. Wertvolle, manchmal unausgesprochene Regeln, die das Miteinander organisieren. Sicherlich, wir Deutsche neigen dazu, eher zu viele als zu wenige Regeln zu haben. Aber hey, unser Miteinander funktioniert doch auch ziemlich gut! Das, was ich als Kind als spiessig empfunden habe, betrachte ich heute als Tugenden. Gute deutsche Tugenden. Pünktlichkeit zum Beispiel. 

Als Teenager und weit in meine 20er hinein war ich chronisch unpünktlich. Und fand das irgendwie cool. Pünktlich waren ja nur die Spiesser. Dann ist da noch die deutsche Gründlichkeit. Penible Spiesser dachte ich früher, wenn Lehrer und Vorgesetzte mir einen Mangel an selbiger vorwarfen. 

Bei meinem ersten Hautarzt in den USA wünschte ich mir die deutsche Gründlichkeit. Die Hautärztin warf einen zweisekündigen Blick auf das Muttermal, das mir Sorgen bereitete und begann auf meine Bitte hin, einen jeweils ebenso langen Blick auf die vielen anderen Muttermale zu werfen - allerdings nur dort, wo meine Klamotten endeten und Haut sichtbar war. Ein Glück hatte es gestern 30 Grad, die Shorts waren kurz, das T-Shirt konnte mal eben angehoben werden. Nach fünf Minuten waren wir durch. Mein letzter Check in Deutschland hatte locker 20 Minuten gedauert, ich musste mich nackig ausziehen. Die Hautärztin guckte sich jede Zehe, die Fußsohlen, die Kopfhaut an. Sie warf sogar einen Blick in die Pofalte. Deutsche Gründlichkeit eben. 

Tipp, baby, tipp!

Tipp, baby, tipp!

Alptraum Busfahren mit Baby

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