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Hi!

…und willkommen bei Bklynbabe. Ich bin mit 42 Mama geworden und im Sommer 2018 mit Mann und 6 Monate altem Baby nach New York gezogen. Jede Menge Abenteuer inbegriffen…

White people, do something!

White people, do something!

Im Netz kursierte ein Video, das eine Gruppe von schwarzen Menschen bei der Plünderung eines Nike Stores zeigte. Ins Auge fiel eine junge Frau, die glücklich jauchzend mit ihrer Beute aus dem zersplitterten Schaufenster springt. Das Video war betitelt „bei Zalando hieß dass wohl ‚Schrei´ vor Glück‘“, was die Szene ziemlich gut beschreibt. Mit Trauer um George Floyd schien das wenig bis gar nichts zu tun zu haben. Die Szene machte mich wütend - wie viele andere Menschen auch, deren Verständnis für die Proteste bei der mutwilligen Zerstörung von Geschäften ein jähes Ende gefunden hatte. 

Dann erinnerte ich mich an die Worte des amerikanischen Komikers, dessen Namen ich mir nie merken kann. Er verglich jede Gesellschaft mit einem Vertrag, den alle in dieser Gesellschaft Lebenden abschließen. Im Falle der USA war dieser Vertrag über Jahre hinweg gebrochen worden.  Diejenigen, die für die Einhaltung dieses Vertrages sorgen sollten, hatten bestimmte Mitglieder dieser Gesellschaft immer und immer wieder beleidigt, verletzt und sogar getötet. Und waren damit davongekommen. Warum sollten also die Menschen, die diese Ungerechtigkeit Tag für Tag erfahren hatten, sich noch an besagten Vertrag halten?

Auch mich verstören die Bilder der Plünderungen und der immensen Zerstörungswut. Aber es steht uns nicht zu, zu bewerten, ob diese gerechtfertigt sind. Kein Mensch mit weißer Haut darf sich erdreisten, dies bewerten zu wollen. Denn er wird nie wissen, wie es ist, sein Leben lang nicht nur nicht ganz dazuzugehören, sondern diskriminiert zu werden. Und wir reden hier nicht nur davon, dass im Jahr 2020 weiße Frauen noch immer ihre Handtasche an sich drücken, wenn sie in der U-Bahn neben einem Schwarzen stehen. Wir reden nicht nur davon, dass Schwarze de facto 21 Mal so häufig von der Polizei kontrolliert werden. Wir reden von einem systemischen Rassismus, auf dessen Basis dieses Land aufgebaut wurde. Angefangen bei der niemals entlohnten Sklavenarbeit bis hin zu einem Justizsystem, das überhaupt kein Interesse daran hat, ehemalige Gefängnisinsassen wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Im Gegenteil. Nur solange die meist privat geführten Gefängnisse vollbesetzt sind, bleiben diese lukrativ. Viele namhafte US-Firmen lassen ihre Produkte preiswert durch Gefängnisinsassen produzieren - „made in USA“. Also füllt man die Gefängnisse - schwarze US-Bürger werden für Bagatelle-Delikte hinter Gitter gebracht, weil sie sich häufig keinen Anwalt oder Prozess leisten können. 

Ich verkürze hier gnadenlos, denn dieses Feld ist ein weites. Wer den Regelkreis verstehen möchte, sollte unbedingt den Dokumentarfilm „The 13th“ anschauen. Beklemmend und Augen öffnend. 

Natürlich - es gibt in jeder Gesellschaft Rassismus, machen wir uns nichts vor. Menschen glauben immer und überall, sich aus selbst erdachten Gründen über eine Gruppe von anders aussehenden oder anders denkenden Menschen erheben zu können. Nur… Der Rassismus, der hier in den USA existiert, wurde über Jahrzehnte so tief in dieses (Wirtschafts)system verankert, dass man in der Tat von einem systemischen Rassismus sprechen muss. Wie frustrierend muss es sein, gegen eine solche Windmühle anzukämpfen? Wie soll man Mitmenschen zum Umdenken bringen, wenn Justiz und Wirtschaft gar kein Interesse daran haben, etwas zu ändern? Nein. Das kann man sich als Weißer nicht vorstellen. Und deshalb sollte man es auch nicht bewerten. Sondern zuhören, das ist das Mindeste. 75 weitere Dinge, die Weiße tun können, um für Gerechtigkeit zu kämpfen, finden sich hier: 75 Things White People Can Do for Racial Justice

Servicewüste USA

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Wenn Helden sich selbst feiern

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