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Hi!

…und willkommen bei Bklynbabe. Ich bin mit 42 Mama geworden und im Sommer 2018 mit Mann und 6 Monate altem Baby nach New York gezogen. Jede Menge Abenteuer inbegriffen…

Servicewüste USA

Servicewüste USA

Wir brauchten sie dringend - eine Pause von Corona, von der Stadt. Nur ein verlängertes Wochenende, Long Island also. Mit etwas Glück und antizyklischer Anreise nur 1,5 Stunden Autofahrt und dann: Meer. Trotz Lockdown hatten einige der Hotels wieder geöffnet und wir hatten es bei der Buchung krachen lassen. 420 Dollar die Nacht in einem ehemaligen Motel, todschick restauriert, direkt am Strand. An die Hotelpreise hatte ich mich mittlerweile gewöhnt. Wirklich schöne Unterkünfte bekommt man hier tatsächlich erst ab 350 Dollar die Nacht aufwärts. Open end aufwärts versteht sich. Die Hotels, in denen wir sehr gerne einmal nächtigen würden, liegen dann eher bei 500/600 Dollar. Pervers, ich weiss. Wir erklären es uns so, dass der Durchschnittsamerikaner ja nur etwa 10 Tage Urlaub pro Jahr hat. Hotels können sich also nicht über die Masse an Tagen und Besuchern finanzieren, sie müssen in den wenigen Tagen möglichst viel rausholen, um überleben zu können. Wie auch immer.

Wir hatten tatsächlich Glück mit der Anreise, wenig Verkehr. Nach 1,5 Stunden schloss uns der junge Hotelmanager die Tür zu unserem Appartment auf. Schön sah es aus, genau wie im Internet. Nur dass man im Gegensatz zu den Fotos dort das Meer nicht sah durch die deckenhohen Schiebetüren. Ich lief einmal durch den Raum und verstand. Die Scheiben waren einfach schon lange nicht mehr geputzt worden, die Salzwasserkruste liess einen das Meer nur erahnen.„Nina, hast Du schon die Toilette benutzt?“ rief in diesem Moment mein Mann aus dem Bad, nachdem er die Taschen aus dem Auto hereingetragen hatte. „Neeeeeeein. Warum?“ Äh ja, genau. Glücklicherweise nur number one. Hinzu kamen dicke Schmutzränder im Waschbecken. Dem hinzugerufenen Hotelmanager ist die Situation so gar nicht peinlich. Da wären einige Handwerker am Pool zugange gewesen, die hätten sicherlich eine Toilette gebraucht. Ok. Schön. Wie wäre es mit einem letzten Check bevor die zahlenden Gäste kommen? Wir versuchen, uns unsere gute Laune nicht verderben zu lassen. Erst mal ein Keks aufs Haus, eine Packung meiner Lieblingskekse steht auf dem Tisch. Doch Überraschung! Die vermeintlich neue Kekspackung ist nur halb voll. Irgendjemand hatte die Packung nach dem Verzehr kunstvoll wieder so zusammengerollt, dass sie tatsächlich aussah wie neu. Der Tisch auf dem die Packung steht, hat Wasserflecken und ist von einer Staubschicht bedeckt. 

Ich bin wirklich kein notorischer Nörgler und kann auch mal ein Auge zudrücken. Bei 250 Dollar die Nacht hätte ich das sicherlich auch. Bei 420 ärgert es mich. Dabei sind es noch nicht einmal die Mängel selbst, es ist die Art und Weise, wie das Management damit umgeht. Bzw. eben nicht. Und natürlich ist mir bewusst, dass Corona auch Hotelbesitzer vor grosse Herausforderungen stellt. Den wunderschönen Frühstücksraum dürfen wir aus bekannten Gründen nicht nutzen. Es gibt aber die Möglichkeit, sich Frühstück mit aufs Zimmer zu nehmen. Ich entscheide mich für Granola und erhalte eine Plastikschüssel mit zwei Esslöffel labbrigen Joghurts, garniert mit einem Teelöffelchen Müsli. Es schmeckt nicht, genauso wenig wie der Kaffee.

Die Angestellten dürfen während Corona die Zimmer nicht aufräumen. Erfahre ich, als wir von einem Ausflug zurückkommen und die Tag-am-Meer-dreckigen Handtücher noch immer einen Haufen im Badezimmer bilden. Und wieder ist es nicht die Botschaft an sich, sondern der Ton, mit dem mir die Dame an der Rezeption dies mitteilt. Schnippisch, genervt. Wann kapieren das die Gäste endlich? Sie stöckelt zumindest in ihren High Heels zu unserem Apartment, um saubere Handtücher zu bringen und Müll sowie dreckige Handtücher mitzunehmen. Ohne Maske. Ohne Handschuhe. 

Nicht falsch verstehen. Wir hatten zwei wunderschöne Tage am Meer, haben Millionen Steine ins Meer geworden, einige besonders schöne gesammelt und wir haben endlich mal wieder richtig gut gegessen. Take away natürlich. Picknick am Hafen. Herrlich. Aber: Der Aufenthalt hat uns wieder einmal gezeigt, wie wenig Qualität man in diesem Land für sein Geld bekommt. Oder wie viel Geld man hinlegen muss, wenn man wirklich gute Qualität und tollen Service möchte. In Deutschland hätten wir für das gleiche Appartment wahrscheinlich  die Hälfte bezahlt. Wenn überhaupt.

Wie hoch die Lebensqualität in Deutschland ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Jedes Mal, wenn wir gefragt werden, woher wir kommen und wir antworten „aus Deutschland“ ist die darauf folgende Frage stets: „Und warum seid ihr dann hier?“ Jedes Mal, ich schwöre!

Danke Corona!

Danke Corona!

White people, do something!

White people, do something!