Trio oder Quartett?
Heute morgen stellte ich meinem Mann die Frage, die mich selbst seit Wochen beschäftigt: „Möchtest Du ein zweites Kind“? Er antwortete nicht sofort, wohlwissend, dass dieses Thema ein heikles sein könnte. „Für Matilda wäre es schön, keine Frage. Aber ich habe das Gefühl, dass wir mit einem Kind schon am Rande der Belastbarkeit sind, oder nicht?“ Zack, war ich auch schon zutiefst verletzt. Denn ich wollte immer eine coole, entspannte Mutter sein. Die immer noch auch sexy Ehefrau ist, die den Haushalt so nebenbei gewuppt bekommt und mit der man immer noch über alles reden konnte. Die Wahrheit sah tatsächlich ein wenig anders aus. Wir leisteten uns alle zwei Wochen eine Putzfrau, die in den USA mit 35 Dollar Stundenlohn ein kleines Vermögen kostet. Mittwochs und Freitags kam Tori, unsere Babysitterin für jeweils drei Stunden - 6 kostbare Stunden nur für mich, die ich im Yogastudio verbrachte oder schreibend oder auch einfach nur bei einem ausgedehnten Lunch nur mit mir, nur für mich. Und trotz dieser Unterstützung war ich zugegeben ständig müde und erschöpft. Glücklich auch, ja. Ich geniesse die Zeit mit Matilda sehr, es macht immer mehr Spass, ihre Persönlichkeit zu entdecken. Sie ist witzig, sozial, an allem und jedem interessiert und furchtlos. Aber auch fordernd und voller Energie.
Als wir uns für die Putzfrau entschieden, nagte das zunächst auch ein klein wenig an meinem Stolz. Als würde ich es allein nicht schaffen. Dann rief ich mir ins Gedächtnis, dass ich nunmal keine Mutter oder Schwiegermutter vor Ort hatte, die mal aushelfen konnte, bei der ich Matilda mal für 2 Stündchen abliefern konnte, um in Ruhe zu putzen. Tori und Shanicca, unsere Putzfrau, sind quasi Mutter und Schwiegermutter.
Doch zurück zu Jörn Frage: Waren wir wirklich am Rande der Belastbarkeit? Zugegeben. Die Vorstellung, nochmal schwanger zu sein, noch eine Geburt zu bewältigen, nochmals all die vielen schlaflosen Nächte zu durchleben, war alles andere als prickelnd. Aber gleichzeitig wünschte ich mir für Matilda so sehr ein Geschwisterchen. Zm einen, weil meine eigene Schwester einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben und eine meiner besten Freundinnen ist. Und zum anderen, weil mir schmerzlich bewusst ist, dass Matilda nun einmal alte Eltern hat und wir nicht so lange für sie dasein werden können wie die Mamas und Papas, die ihre Kinder in ihren 20ern oder 30ern bekommen haben. Es wäre so schön zu wissen, dass sie dann trotzdem noch Familie hat.
Nur, sind das die richtigen Gedanken, um die Frage für mich selbst zu beantworten? Ist das nicht ganz schön rational für eine so emotionale Frage. Möchte ich ein 2. Kind? Ich weiss es einfach nicht. Am liebsten würde ich die Natur für mich entscheiden lassen, es einfach darauf ankommen lassen. Aber das wäre natürlich nicht fair. Ich werde einfach die Zeit noch ein wenig für mich arbeiten lassen. Ein klein wenig nur. Schließlich tickt die Uhr. Laut und deutlich. Nächste Woche werde ich 44.